Ich schicke meine Erinnerungen

in ein Vakuum, damit es ein Ort wird

für die Leichtigkeit die über dem See schwebte

für Dackel Waldi, der auf der Straße unter einem Bus lag

für das Haus, hinter dem ein Bach floss

für die roten, so roten Mohnfelder

für den süßen Duft der Lindenbäume

für die leuchtenden Stämme der Birken – deren Rinde bitter schmeckte

für das Fahrrad, das in den Brennnesseln neben dem Weg lag

für die Finger, die das frische Brot aushöhlten, das köstlich schmeckte

für Erzählungen, die die Nachbarn glaubten, deren Enttäuschung darüber, dass es nur Geschichten waren

für Tante Lina, die nicht sprach

für Susi mit Dauerschnupfen

für den dicken Böhlick mit seinem Zylinder auf einem Stuhl vor der Wasserpumpe

für das Glück, Schwalben im Kuhstall zu haben

für das Kleid mit dem großen Blumenmuster, in das der Esel ein Loch fraß

für die Singstunde „Wenn die bunten Fahnen wehen“

für leise Träume, dass alles bleibt, wie es ist, laut verworfen.

© all rights reserved by Lyra, Juni 2023