Ich tauche immer wieder von Neuem in seine Lyrik ein!
Kategorie: Inspirationen – Literatur
Texte und Gedichte aus einer brennenden Traumfabrik
in Buchhandlungen auch als E-Book erhältlich.
Genre: Poesie über die freieren Formen der Romantik bis hin zur experimentellen Poesie des 20. Jahrhunderts.

Mein herzlicher Dank geht an Leonardo Voci für das Book Cover,
an
Gabriele Fischer, James Belcher und Robert Köhler, die mir ihre Werke für meine Texte auch schon im Vorab für meinen Blog zur Verfügung gestellt haben.
Anfang August fingen die unsichtbaren Käfer
zu scharren und das Gras war zäh wie Hanf und hatte
wenig Farbe – so wenig wie der Sand eine hatte
und wir hatten unsere nackten Füße seit dem zwanzigsten Juni nackt getragen und es gab Zeiten
da hatten wir vergessen, deinen Wecker aufzuziehen und an manchen Abenden tranken wir unseren Gin warm und pur aus alten Senfgläsern während die Sonne unserm Blick entschwand wie ein roter Pleureusenhut
und einmal band ich mir das Haar mit einem Band zurück und du sagtest, ich sähe beinahe aus wie eine Frau aus Siedlerzeiten.
und woran ich mich am besten erinnere ist,
dass die Tür zu deinem Zimmer die Tür zu meinem war.
Anne Sexton aus: All mein Lieben/Lebe oder stirb: Gedichte- Fischer Verlag 3100725107
Übers. Silvia Morawetz/ Fischer Verlag
Gang durch ein Gedicht
Treten Sie ein.
Genieren Sie sich nicht.
Schon sind Sie mitten
in einem Gedicht.
Gehen Sie weiter.
Bleiben Sie nicht steh’n,
damit Sie die Verse
bis zum Ende seh’n.
Seien Sie locker
und nicht so bang.
Schlendern Sie entspannt
die Zeilen entlang.
Atmen Sie ruhig.
Laufen Sie nie.
Hast ist die Feindin
der Poesie.
Betrachten Sie noch
einmal mit Bedacht,
was der Autor sich
für Sie ausgedacht.
Nun sind Sie bereits
am Ausgang des Gedichts
und sehen betroffen:
Eigentlich nichts.
„Literatur hat nicht die Natur zur Perfektion, worüber ich sehr dankbar bin.“
© Tim Tensfeld
Der Tag war gefüllt mit fröhlicher Leichtigkeit. Gefühle zeigten sich in bunten Farben, Berührungen durchfluteten ihren Körper als zarte Melodie und ließen ihn schwingen.
Unerwartet, wie aus einem Vakuum kommend, legt sich zäh ein schwerer Nebel der Traurigkeit über die Prinzessin – entkräftend und ermüdend.
Sie sucht den Schlaf in einem fremden, harten Bett.
Ein Geräusch neben ihrem Kopfkissen, wie die patschnende Landung eines Frosches, lässt sie aufwachen. Der Raum in bleierner Dunkelheit. Beklommen tastet sie nach dem Lichtschalter – nichts – kein Frosch – die Angst löst sich, sie verlässt den Raum, das Gebäude, und atmet frische, klare Luft ein. An diesen Ort wird sie nicht mehr zurückkommen.
inspiriert durch die Prinzessin auf der Erbse und der Froschkönig!

Der helle Mond leuchtet in meine Erinnerungen –
lange eingesperrt im Jadeturm
Weidentriebe wiegen sich sanft im zarten Frühlingslüftchen
Gräser so hoch gewachsen überragen unseren Zaun
löschen deine sich entfernende Gestalt aus
nur das wiehern deines Pferdes ist zu hören
Hinter dem Seidenvorhang mit den golden gemalten Eisvögeln
löst sich eine Duftkerze in Tränen auf
inmitten verwelkter Blumen und sehnsuchtsvoll rufenden Kuckucks
durch ein grünes Fester beschienen
immer noch verloren im Traum.
Übersetzung by Lyra für Poesie Treff Augsbug Februar 2023
aus dem chinesichem übersetzt ins englische – und jetzt auch in Deutsch
Wen Tingyun 812 – 870 – 9 Jahrhunderd – Tang-Dynastie 唐朝 (618 – 907)
erinnere ich mich an Heinrich Heine
Schwarze Röcke, seidne Strümpfe,
Weiße, höfliche Manschetten,
Sanfte Reden, Embrassieren –
Ach, wenn sie nur Herzen hätten!
Herzen in der Brust, und Liebe,
Warme Liebe in dem Herzen –
Ach, mich tötet ihr Gesinge
Von erlognen Liebesschmerzen.
Auf die Berge will ich steigen,
Wo die frommen Hütten stehen,
Wo die Brust sich frei erschließet,
Und die freien Lüfte wehen.
Auf die Berge will ich steigen,
Wo die dunklen Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen,
Und die stolzen Wolken jagen.
Lebet wohl, ihr glatten Säle,
Glatte Herren! Glatte Frauen!
Auf die Berge will ich steigen,
Lachend auf euch niederschauen.
Heinrich Heine – Die Harzreise 1824
