bittersüß manchmal provokant

Kategorie: Lyras – Shorts (Seite 1 von 5)

Still got the Blues for you

Sanfter Regen fällt 

wäscht Staub von den Mauern der Stadt

hinter denen die Sehnsucht wohnt

Versprechen vergangener Nächte versinken

im Glas vor der Bar.


© by Lyra 25.6.2026 – In Erinnerung an Gary Moore (†) – Hard-Rock- und Heavy-Metal-Gitarrist, Sänger, Komponist;

Ortschaf(f)t

Ich schicke meine Erinnerungen in ein Vakuum, damit es ein Ort wird

für die Leichtigkeit, schwebend über dem See

für Dackel Waldi, der auf der Straße unter einem Bus lag

für das Haus, hinter dem ein Bach floss

für die roten, so roten Mohnfelder

für den süßen Duft der Lindenbäume

für die leuchtenden Stämme der Birken – deren Rinde bitter schmeckte

für das Fahrrad, das in den Brennnesseln neben dem Weg lag

für Erzählungen, die die Nachbarn glaubten, deren Enttäuschung darüber, dass es nur Geschichten waren

für Tante Lina, die nicht sprach

für Susi mit Dauerschnupfen

für den dicken Böhlig mit seinem Zylinder auf einem Stuhl vor der Wasserpumpe

für das Glück, Schwalben im Kuhstall zu haben

für das Kleid mit dem großen Blumenmuster, in das der Esel ein Loch fraß

für das erste Buch zum Geburtstag, an dem die Mutter nicht da war

für leise Träume, dass alles bleibt, wie es ist, laut verworfen.

© all rights reserved by Lyra, Juni 2023

Illusion

© by Lyra Nov. 2025

Inspiration: „Nebel“ – Hermann Hesse

Begehren

„Weißt du, dass Mona in der Psychiatrie ist?“

Wie das Aufprallen einer Münze, die auf harten Boden fällt und weiter rollt, landet Laras Stimme in meinem Fantasiezustand.

„Nee“, antworte ich hastig, damit ich nicht wieder abdrifte und an das Gesicht denke, das mich so körperlich elektrisiert und alle Formen von Begierde in mir auslöst. Ich kann mir nicht erklären, was da in mir geschieht.

Man begehrt, was man sieht – habe ich mal gelesen. Ich nehme mir vor, Eric aus Schweden nicht mehr auf Social Media zu folgen. Wir folgen uns gegenseitig und schreiben uns.

Wahrscheinlich habe ich ein Mangelerleben, das ich noch nicht erkannt habe. Ich werde darüber nachdenken – kontemplieren. Und sollte jemand einen Fluch auf mich gelegt haben oder ich unter einem Bann stehen, dem ich mich kaum entziehen kann, werde ich ein Fluch- und Bannverdammungsritual durchführen. Davon habe ich auf YouTube gehört.

„Lara, erzähl, warum ist Mona in der Psychiatrie? Sie wirkte auf mich total bodenständig und nett.“

„Ich habe gehört“, erwidert Lara, ihr Freund – also, ohne Plus –, mit dem sie als WG zusammenlebte, hat monatelang versucht, Mona wieder in die reale Welt zu holen.

Sie hatte sich wohl virtuell total in einen Typen aus den USA im Netz verknallt. Saß nur noch am PC, im Schlafanzug, ungewaschen, mit Wein und Schokolade neben sich – um seine Posts zu liken.

Nachts stand sie wegen der Zeitverschiebung auf und freute sich, dass er anscheinend immer online war, wenn sie ihren Account checkte. Sie wertete das als Interesse an ihr. Dass er vielleicht einfach nie seinen PC oder Notebook ausschaltete, wollte sie nicht glauben.

Sie buchte einen Flug in die USA, um bei seiner Lesung in einer kleinen Buchhandlung in Gonzales, Texas, dabei zu sein.

„Anscheinend ist sie dort völlig ausgerastet, als sie in seiner Story <Possessed> von einer Person hörte, die ihn auf Facebook und Instagram folgte und ihm sogar geschrieben hatte, dass sie zu seiner Lesung komme.

Mona rannte zum Lesepult, warf seine Bücher nach ihm und riss einzelne Seiten aus dem Exemplar, das er gerade las.

Es dauerte anscheinend eine Weile, so berichteten es die anderen Zuhörer, bis die schockierte Inhaberin der Buchhandlung die Cops rief, die Mona schließlich abführten.

Ihre Eltern wurden informiert, sie abzuholen – unter der Auflage, dass Mona sich in psychologische Betreuung begibt und einen Nachweis darüber erbringt. Nur so konnten sie verhindern, dass sie in den USA hospitalisiert wird – und die Kosten dafür von ihr oder ihren Eltern getragen werden müssen.

„Mehr weiß ich auch nicht.

Mir ist total übel. Was, wenn mir Ähnliches wegen Eric passiert?

Ich verabschiede mich hastig von Lara.

„Meld dich, Ciao – bis zum nächsten Mal!“, ruft sie mir nach.

Ich renne nach Hause, schalte mein Notebook ein und lösche alle meine Accounts.

Mit dem letzten Funken Verstand halte ich mich gerade noch davon ab, mein Notebook an der Tischplatte zu zertrümmern.

Hektisch suche ich nach den Unterlagen über das Fluch- und Bannauflösungsritual, die ich ausgedruckt hatte.

Zeichnung by Gabriele Fischer, Augsburg “ You see“, Mitglied im Berufsverband Bildener Künstlerinnen- Schwaben. (I see, „You see“, jetzt bei mir zu Hause)

Zerstört

© by Lyra14.4.2024

Am Meer

Wellen, sanft
wie gleichmäßige Flügelbewegungen einer großen Vogelschar
Sonnenstrahl vergoldet
Himmelazur bespiegelt.
Unser Boot in sanfter Bewegung.
Im zarten Klang des Meeres
atmen wir uns.

© by Lyra 18. August 2024

Encounter

They met like two doves in the rain, seeking shelter on a ledge with their heads tucked in.
A soft crackling sound, they no longer feel each other’s touch,
and each flies off in a different direction.
An encounter without a hint of regret.

© by Lyra – June 2025

Based on my short poem > Encounter>
Helmuth Treichel (producer, label owner, singer, songwriter from Augsburg—former singer for GIFT, founder of Atomic Picnic Project)
expanded the lyrics and created his song.

© by Helmuth Treichel – August 2025

Sonntagnachmittag

© by Lyra 03.04.2025

Sucht sucht

© all rights reserved by Gabriele Fischer -Visaggio, Tusche, Wachs, 21 x 29 cm, 2023

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