
© by Lyra Juli 2026
Digital Painting by Petra Bauman, Augsburg (in meinem Besitz)
bittersüß manchmal provokant

© by Lyra Juli 2026
Digital Painting by Petra Bauman, Augsburg (in meinem Besitz)
Sanfter Regen fällt
wäscht Staub von den Mauern der Stadt
hinter denen die Sehnsucht wohnt
Versprechen vergangener Nächte versinken
im Glas vor der Bar.
© by Lyra 25.6.2026 – In Erinnerung an Gary Moore (†) – Hard-Rock- und Heavy-Metal-Gitarrist, Sänger, Komponist;
Ich schicke meine Erinnerungen in ein Vakuum, damit es ein Ort wird
für die Leichtigkeit, schwebend über dem See
für Dackel Waldi, der auf der Straße unter einem Bus lag
für das Haus, hinter dem ein Bach floss
für die roten, so roten Mohnfelder
für den süßen Duft der Lindenbäume
für die leuchtenden Stämme der Birken – deren Rinde bitter schmeckte
für das Fahrrad, das in den Brennnesseln neben dem Weg lag
für Erzählungen, die die Nachbarn glaubten, deren Enttäuschung darüber, dass es nur Geschichten waren
für Tante Lina, die nicht sprach
für Susi mit Dauerschnupfen
für den dicken Böhlig mit seinem Zylinder auf einem Stuhl vor der Wasserpumpe
für das Glück, Schwalben im Kuhstall zu haben
für das Kleid mit dem großen Blumenmuster, in das der Esel ein Loch fraß
für das erste Buch zum Geburtstag, an dem die Mutter nicht da war
für leise Träume, dass alles bleibt, wie es ist, laut verworfen.
© all rights reserved by Lyra, Juni 2023

Nebeltropfen vermischen sich mit Tränen
auflösende Illusionen
reissen Löcher in Herzen
Einsam weinen Bäume.
© by Lyra Nov. 2025
Inspiration: „Nebel“ – Hermann Hesse
„Weißt du, dass Mona in der Psychiatrie ist?“
Wie das Aufprallen einer Münze, die auf harten Boden fällt und weiter rollt, landet Laras Stimme in meinem Fantasiezustand.
„Nee“, antworte ich hastig, damit ich nicht wieder abdrifte und an das Gesicht denke, das mich so körperlich elektrisiert und alle Formen von Begierde in mir auslöst. Ich kann mir nicht erklären, was da in mir geschieht.
Man begehrt, was man sieht – habe ich mal gelesen. Ich nehme mir vor, Eric aus Schweden nicht mehr auf Social Media zu folgen. Wir folgen uns gegenseitig und schreiben uns.
Wahrscheinlich habe ich ein Mangelerleben, das ich noch nicht erkannt habe. Ich werde darüber nachdenken – kontemplieren. Und sollte jemand einen Fluch auf mich gelegt haben oder ich unter einem Bann stehen, dem ich mich kaum entziehen kann, werde ich ein Fluch- und Bannverdammungsritual durchführen. Davon habe ich auf YouTube gehört.
„Lara, erzähl, warum ist Mona in der Psychiatrie? Sie wirkte auf mich total bodenständig und nett.“
„Ich habe gehört“, erwidert Lara, ihr Freund – also, ohne Plus –, mit dem sie als WG zusammenlebte, hat monatelang versucht, Mona wieder in die reale Welt zu holen.
Sie hatte sich wohl virtuell total in einen Typen aus den USA im Netz verknallt. Saß nur noch am PC, im Schlafanzug, ungewaschen, mit Wein und Schokolade neben sich – um seine Posts zu liken.
Nachts stand sie wegen der Zeitverschiebung auf und freute sich, dass er anscheinend immer online war, wenn sie ihren Account checkte. Sie wertete das als Interesse an ihr. Dass er vielleicht einfach nie seinen PC oder Notebook ausschaltete, wollte sie nicht glauben.
Sie buchte einen Flug in die USA, um bei seiner Lesung in einer kleinen Buchhandlung in Gonzales, Texas, dabei zu sein.
„Anscheinend ist sie dort völlig ausgerastet, als sie in seiner Story <Possessed> von einer Person hörte, die ihn auf Facebook und Instagram folgte und ihm sogar geschrieben hatte, dass sie zu seiner Lesung komme.
Mona rannte zum Lesepult, warf seine Bücher nach ihm und riss einzelne Seiten aus dem Exemplar, das er gerade las.
Es dauerte anscheinend eine Weile, so berichteten es die anderen Zuhörer, bis die schockierte Inhaberin der Buchhandlung die Cops rief, die Mona schließlich abführten.
Ihre Eltern wurden informiert, sie abzuholen – unter der Auflage, dass Mona sich in psychologische Betreuung begibt und einen Nachweis darüber erbringt. Nur so konnten sie verhindern, dass sie in den USA hospitalisiert wird – und die Kosten dafür von ihr oder ihren Eltern getragen werden müssen.
„Mehr weiß ich auch nicht.“
Mir ist total übel. Was, wenn mir Ähnliches wegen Eric passiert?
Ich verabschiede mich hastig von Lara.
„Meld dich, Ciao – bis zum nächsten Mal!“, ruft sie mir nach.
Ich renne nach Hause, schalte mein Notebook ein und lösche alle meine Accounts.
Mit dem letzten Funken Verstand halte ich mich gerade noch davon ab, mein Notebook an der Tischplatte zu zertrümmern.
Hektisch suche ich nach den Unterlagen über das Fluch- und Bannauflösungsritual, die ich ausgedruckt hatte.
© all rights reserved by Lyra 15.11.2025

Zeichnung by Gabriele Fischer, Augsburg “ You see“, Mitglied im Berufsverband Bildener Künstlerinnen- Schwaben. (I see, „You see“, jetzt bei mir zu Hause)
Einschläge und Detonationen haben aufgehört – die Uhr tickt
Vorsichtig tasten Sie über ihre Körper, von Schutt und Tränen – die Augen fast blind, zementiert. Knie rutschen über Glasscherben zum Bad.
Die Außenwand fehlt, ein großes Auge blickt in den Wahnsinn.
Wasser fließt über Gesichter.
Tränen, haben freien Lauf – ein Strom des Entsetzens.
© by Lyra14.4.2024
Wellen, sanft
wie gleichmäßige Flügelbewegungen einer großen Vogelschar
Sonnenstrahl vergoldet
Himmelazur bespiegelt.
Unser Boot in sanfter Bewegung.
Im zarten Klang des Meeres
atmen wir uns.
© by Lyra 18. August 2024
They met like two doves in the rain, seeking shelter on a ledge with their heads tucked in.
A soft crackling sound, they no longer feel each other’s touch,
and each flies off in a different direction.
An encounter without a hint of regret.
© by Lyra – June 2025
Based on my short poem > Encounter>
Helmuth Treichel (producer, label owner, singer, songwriter from Augsburg—former singer for GIFT, founder of Atomic Picnic Project)
expanded the lyrics and created his song.
© by Helmuth Treichel – August 2025
es tut sich nichts
Einer steht da
starr im schwebenden Staub, Rundblick, links, rechts, aufwärts
Wolken weiß an den Himmel geklebt, ausgebreitete Flügel schwebend im Blau, kein Laut.
Gedanken wie feiner warmer Sand träge
losgelöst von den Geräuschen der Stadt, vom Rausch gleißender Lichter nicht durchdrungen
frei.
© by Lyra 03.04.2025
Er blickt auf Jahre, als Zeit nicht auf seiner Seite war. Jahre verronnen wie feiner Sand in einer Sanduhr.
Nur er konnte nicht umdrehen und einen anderen Weg wählen.
An manche Jahre erinnert er sich nur vage, unfähig, seinen Stillstand wahrzunehmen, in dem vieles verloren ging, auch das, was er bereits fest in den Händen gehalten hatte.
Dann Jahre, in denen er versuchte, sich selbst wiederzufinden.
Wann hatte die Suche begonnen und was suchte er?
Hätte er es gefunden, wüsste er das.

© all rights reserved by Gabriele Fischer -Visaggio, Tusche, Wachs, 21 x 29 cm, 2023
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