bittersüß manchmal provokant

Kategorie: Lyras – Shorts (Seite 3 von 4)

Verschwunden

Black Patti – A little bit Friday

Die Zeit geht und bleibt

Sommer, unser Wiedersehen im Straßencafé – fremd sind wir uns nicht geworden – vergangene Jahre spiegeln uns im Weinglas wider – schnell austrinken – dein Lächeln hat sich nicht verändert.

Warum

hast du mir den Berg im Farbspiel des Abends nie gezeigt, mit seinem leidenschaftlichen Rot, sanftem Gelb das an den schwindenden Tag erinnert. Nur Momente in einen zu kleinen Rahmen gepresst, auswendig erlernte Strophen und deine Vergangenheit lief mit uns Hand in Hand, – ich halte an verwelkten Blättern fest.

Falling Leaves © by James O. Belcher

Rotstift

Morgendämmerig – gähnende Synapsen warten auf die Wirkung von Koffein, lassen den roten Zaun vor dem Fenster durch die Dunstglocke meiner Gedanken schemenhaft ins Blickfeld. Rot, genau, mit Rotstiftstift die letzten Wochen streichen wie in der Schule, eine Bemerkung am Heftrand, Thema verfehlt. Die Herzregion meldet sich – give it another chance.

Herbst

Noch nicht vergessen, die frische, grüne Pracht.

Noch strahlt der Himmel in ruhigem, klarem Blau – wolkenlos.

Die Winde, mild, zart streichend über Äste, Geigenvirtuosen gleich,

entlocken dem Laub hauchzarte Töne im schwebenden Tanz dem Boden entgegen zum Crescendo.

© by Lyra Herbst 2023

Ein bunter Vogel

Schwebend mit augebreiteten, lichtvoll bestrahlten, irisierenden Flügeln von einer betörenden, süßen, hypnotisierenden Melodie angezogen, erkennt den Käfig nicht- als das Lied verstummt- das Federkleid stumpf die Flügel erstarrt- Freiheit- eine sich auflösende Erinnerung.

Cry Baby

hatte sich zurückgezogen, drei Tage, drei Nächte, mit Wein, heulend über die messerscharfen Worte, die sie wie Speere tief in ihrem inneren getroffen hatten.

Über die schöne und traurige Vergangenheit. Sie trauerte um die zerstörte Illusion und um die Hoffnung auf eine Zeit in liebevoller Zweisamkeit und schönen Momenten.

Als es keine Gedanken mehr gab, die noch nicht gedacht waren, keine Lösung in Sicht war, beendete sie ihr Solitär, kühlt ihre Augen, setzt ihre Sonnenbrille auf – es regnet, und verläßt ihre Wohnung.

Nichts hatte sich in ihrem Kiez geändert – alle waren dort wie täglich vor ihrem Rückzug.

Die Nachbarin mit ihren zwei kläffenden Kötern; der Messie der über ihr wohnt, und sie mit einem leicht modrigen Geruch grüßt. Peter, der Rumäne, der sie „Cry-Baby-Tochter“ nennt, und sie ihn Vater.

Zigarettenstummel vor den Hauseingängen, leere Flaschen im Gebüsch, Abfall, der vom Regen durchweicht schlaff an den Ästen klebt.

Heute stört es sie nicht. An anderen Tagen hätte sie verächtliche Worte gemurmelt, etwas wie „Asis“ – doch heute empfand sie eine tiefe Zuneigung für die gesamte, gleichgebliebene Szenerie.

Durch das Fenster ihres Lieblingscafés sieht sie eine Bekannte, die ihr zulächelt und sie hereinwinkt. Wieder in ihrer Welt angekommen, fühlt sie sich sicher. Sie setzt sich, wird gefragt, wie es ihr geht. Trigger, da war er wieder – „geht so“, antwortet sie. „Habe drei Tage wegen einer Person geheult. Ich bin so verletzt und die Verbindung ist auch zu Ende. Kann’s gar nicht glauben, dass mich das so aus der Bahn geworfen hat – Shit, einfach Shit“!

Ihre Bekannten reagierten mit den Worten: „Gefühle sind stärker und schmerzlicher, je älter man wird„.

Cry Baby bemerkt, dass auch sie mit Tränen kämpft. Schnell fragt sie:

„Und du“? Wie geht es dir“? Unter Tränen die Antwort: „Mein Partner ist kürzlich verstorben“.
Augenblicklich bereut sie, ihren jetzt banal erscheinenden dreitägigen Rückzug erwähnt zu haben, und umarmt ihre Bekannte. Mitfühlend und leise spricht sie ein von Herzen kommendes Beileid aus.
Ihr eigener Schmerz verblasst. Schließlich hat sie immer noch die Möglichkeit, mit ihrer Herzensperson zusammenzutreffen. Sie nimmt ihre Sonnenbrille ab und verabschiedet sich

© by Lyra 2023

Die Prinzessin

Der Tag war gefüllt mit fröhlicher Leichtigkeit. Gefühle zeigten sich in bunten Farben, Berührungen durchfluteten ihren Körper als zarte Melodie und ließen ihn schwingen.

Unerwartet, wie aus einem Vakuum kommend, legt sich zäh ein schwerer Nebel der Traurigkeit über die Prinzessin – entkräftend und ermüdend.

Sie sucht den Schlaf in einem fremden, harten Bett.

Ein Geräusch neben ihrem Kopfkissen, wie die patschende Landung eines Frosches, lässt sie aufwachen.  Der Raum in bleierner Dunkelheit. Beklommen tastet sie nach dem Lichtschalter – nichts – kein Frosch – die Angst löst sich, sie verlässt den Raum, das Gebäude und atmet frische, klare Luft ein. An diesen Ort wird sie nicht mehr zurück kommen.

inspiriert durch die Prinzessin auf der Erbse und der Froschkönig!

Eine Reise

Das Signal der sich schließenden Zugtüren drängt sich in meine Gedanken, im Fenster mein Spiegelbild, mit Sonnenbrille, Landschaft zerfließt wie eine Wassermalerei, entfernt mich von dir, dieses Mal bin ich, es, die bleiben möchte.

Verwurzelt -  © by Patrick M. Aeschbach

Verwurzelt –

Noch ohne Titel

Nach einem langen Winter baden wir im hellen Licht des Lebens,
unsere Körper warm, wir küssen uns.
Lass uns festhalten, um nicht mehr zu frieren.

So nah so fern © all rights reserved by Mona Ragy Enayat 2006

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