bittersüß manchmal provokant

Kategorie: Lyras – Shorts (Seite 4 von 5)

Cry Baby

hatte sich zurückgezogen, drei Tage, drei Nächte, mit Wein, heulend über die messerscharfen Worte, die sie wie Speere tief in ihrem inneren getroffen hatten.

Über die schöne und traurige Vergangenheit. Sie trauerte um die zerstörte Illusion und um die Hoffnung auf eine Zeit in liebevoller Zweisamkeit und schönen Momenten.

Als es keine Gedanken mehr gab, die noch nicht gedacht waren, keine Lösung in Sicht war, beendete sie ihr Solitär, kühlt ihre Augen, setzt ihre Sonnenbrille auf – es regnet, und verläßt ihre Wohnung.

Nichts hatte sich in ihrem Kiez geändert – alle waren dort wie täglich vor ihrem Rückzug.

Die Nachbarin mit ihren zwei kläffenden Kötern; der Messie der über ihr wohnt, und sie mit einem leicht modrigen Geruch grüßt. Peter, der Rumäne, der sie „Cry-Baby-Tochter“ nennt, und sie ihn Vater.

Zigarettenstummel vor den Hauseingängen, leere Flaschen im Gebüsch, Abfall, der vom Regen durchweicht schlaff an den Ästen klebt.

Heute stört es sie nicht. An anderen Tagen hätte sie verächtliche Worte gemurmelt, etwas wie „Asis“ – doch heute empfand sie eine tiefe Zuneigung für die gesamte, gleichgebliebene Szenerie.

Durch das Fenster ihres Lieblingscafés sieht sie eine Bekannte, die ihr zulächelt und sie hereinwinkt. Wieder in ihrer Welt angekommen, fühlt sie sich sicher. Sie setzt sich, wird gefragt, wie es ihr geht. Trigger, da war er wieder – „geht so“, antwortet sie. „Habe drei Tage wegen einer Person geheult. Ich bin so verletzt und die Verbindung ist auch zu Ende. Kann’s gar nicht glauben, dass mich das so aus der Bahn geworfen hat – Shit, einfach Shit“!

Ihre Bekannten reagierten mit den Worten: „Gefühle sind stärker und schmerzlicher, je älter man wird„.

Cry Baby bemerkt, dass auch sie mit Tränen kämpft. Schnell fragt sie:

„Und du“? Wie geht es dir“? Unter Tränen die Antwort: „Mein Partner ist kürzlich verstorben“.
Augenblicklich bereut sie, ihren jetzt banal erscheinenden dreitägigen Rückzug erwähnt zu haben, und umarmt ihre Bekannte. Mitfühlend und leise spricht sie ein von Herzen kommendes Beileid aus.
Ihr eigener Schmerz verblasst. Schließlich hat sie immer noch die Möglichkeit, mit ihrer Herzensperson zusammenzutreffen. Sie nimmt ihre Sonnenbrille ab und verabschiedet sich

© by Lyra 2023

Die Prinzessin

Der Tag war gefüllt mit fröhlicher Leichtigkeit. Gefühle zeigten sich in bunten Farben, Berührungen durchfluteten ihren Körper als zarte Melodie und ließen ihn schwingen.

Unerwartet, wie aus einem Vakuum kommend, legt sich zäh ein schwerer Nebel der Traurigkeit über die Prinzessin – entkräftend und ermüdend.

Sie sucht den Schlaf in einem fremden, harten Bett.

Ein Geräusch neben ihrem Kopfkissen, wie die patschende Landung eines Frosches, lässt sie aufwachen.  Der Raum in bleierner Dunkelheit. Beklommen tastet sie nach dem Lichtschalter – nichts – kein Frosch – die Angst löst sich, sie verlässt den Raum, das Gebäude und atmet frische, klare Luft ein. An diesen Ort wird sie nicht mehr zurück kommen.

inspiriert durch die Prinzessin auf der Erbse und der Froschkönig!

Eine Reise

Das Signal der sich schließenden Zugtüren drängt sich in meine Gedanken, im Fenster mein Spiegelbild, mit Sonnenbrille, Landschaft zerfließt wie eine Wassermalerei, entfernt mich von dir, dieses Mal bin ich, es, die bleiben möchte.

Verwurzelt -  © by Patrick M. Aeschbach

Verwurzelt –

Noch ohne Titel

Nach einem langen Winter baden wir im hellen Licht des Lebens,
unsere Körper warm, wir küssen uns.
Lass uns festhalten, um nicht mehr zu frieren.

So nah so fern © all rights reserved by Mona Ragy Enayat 2006

Ode an die Kunst

wie ein süßer Duft, der sanft und zart, bestimmend und intensiv, meine Sinne erweckt
schwebend, fast spielerisch, trifft eine Gestalt aus Tönen und Darstellungen wie aus einer anderen Dimension, in meine Welt, umhüllt, beflügelt, erinnert und bewegt.

Fortune

Wenn das Glücksrad sich langsamer dreht und stehen bleibt,
dann sollst du mein Gewinn sein,
ich halte dich fest, damit ich dich nicht mehr verliere.

Dance me to the End of Love

Ende einer Illusion

Schaue der Seifenblase nach, wie sie wegtreibt von dir – der Straße entlang -schillernd-lautlos schwebend-bunt-du bist nicht mehr zu sehen.

Hans Dampf in allen Gassen

Ich erinnere mich daran, als Hans in der Schule noch Hänschen war, wie er sich aus der Schulbank erhob und Finger schnippend die Aufmerksamkeit der Lehrer/innen erreichen wollte, um sein Wissen kund zu tun – ich weiß was, ich weiß was.

Nach Jahren treffen wir uns mal wieder auf ein Bier – ganz easy so plaudern – dachte ich.
Wir lassen die Gläser klingen auf das Wohl und unserem Wiedersehen -Prost

Noch mit Bierschaum auf den Lippen holt er sein smartes Phone raus. Ich ahne schon – das wird als Wissensfüller unserer, vor allem meiner Gesprächsthemen genutzt – ich weiß mehr, ich weiß was.

Warst schon im Urlaub dieses Jahr?“, fragt Hans – ich plane eine Reise nach Australien – schon kommt das smarte Phone zum Einsatz – hält mir das Phone vor die Nase – schau mal, da kannst aber nur hin in diesen Monaten, sonst hast Regen und in den Monaten ist es zu heiß – hast dir über die Geschichte dieses Landes Gedanken gemacht, die fast Vernichtung und Unterdrückung der Ureinwohner – schiebt mir das Phone rüber damit ich das geschichtliche Australiens lesen kann – und dann noch der lange Flug, gar nicht klimafreundlich.

Nimm aber Melatonin für den Flug mit. Ach, schau dir auch die Landkarte an.

Er hat „fundiertes“ Gurgelwissen. Nur ich plane eine Reise ohne Landeskunde.
Gut, dass es Gurgel gibt, Hans in allen Gassen.

Lächelnd unterdrücke ich meine Kommentare – besser so!
Ich befürchte nach einer schnell eingetippten Frage bei Gurgel zu meiner Person die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung.

See you Hans, schön, dass wir uns mal wieder begegnet sind!

Sternschnuppe am Morgen

Kaffee und Zigarette – kann’s und will’s nicht lassen
Ruhe – der Himmel fast schwarz – es nieselt
der Morgenstern trotzdem zu sehen


Sternschnuppe – vielleicht ein Funke meiner Zigarette,
Flugzeug oder so – ich wünsche mir trotzdem was.


Van Morrison singt – For the healing go on with the dreaming.

© by Lyra 2023

Pandemie

Tränen gefüllt mit Zuversicht,
Blüten der Leichtigkeit,
Musik, entspannte Atemzüge – Freiheit – aufgeschoben.

© by Lyra 13.12.2020

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